Letzte Änderung: 05.08.01

Senioren reisen:
Ein Bericht von unserem Ansprechpartner Georg Kujawa, Lindenberg             

Weltkulturerbe wird Geburtstagsgeschenk, 
mit der Anmerkung: Man muss nicht immer in die Ferne schweifen 
 


Kirche "St. Georg"

 
In "St. Georg"
li. Himmelskönigin - re. Namenspatron

 
li. Pieta - re. Wandmalerei


Reichenau mit Rhein, 
im Hintergrund die Schweiz
 

Kirche "Peter und Paul"

Anfang Dezember 2000 konnte ich unserer Tageszeitung entnehmen, dass es ein neues "Weltkulturerbe" gibt. Ich habe gleich geschaltet und meiner Frau anlässlich ihres Geburtstages u. a. ein Gutschein über "Besuch einer Insel, die Weltkulturerbe ist" überreicht. Ich weiß nicht, ob sie an eine Fernreise dachte, ihre Augen leuchteten so komisch. 

Jedenfalls habe ich von gestern auf heute, also superkurzfristig, sie - natürlich meine Frau - ins Auto verladen und wir sind am 13. Dezember - ein schöner Föhntag - morgens losgefahren, um den Bodensee komplett zu umrunden. So wurde die Fähre bei Meersburg geschont und wir haben die Bodenseeinsel Reichenau, das neue Weltkulturerbe, neu entdeckt. 

Keine Kirche wurde ausgelassen und unsere Schuhe trugen uns viele Km längs des Ufers, aber auch quer über Felder und vor allem an Gewächshäusern vorbei. Offene Augen und nette Inselbewohner klärten uns auf z. B. warum manche Gewächshäuser so hoch sind (wegen der im Sommer darin hoch hinauf rankenden Schlangengurken) oder dass die vielen Steine bewusst im gerade frischgepflügten Acker als Wärmespeicher verbleiben. 

Gott sei Dank hatte die mir aus frühen Jugendtagen (aber da hatte ich zu meiner Konstanzer Zeit auch schon keine Locken mehr) bekannte "Fischerstube" geschlossen, weil es Mittwoch war. So fanden wir mehr zufällig den urigen "Pirminkeller" (Untere Rheinstr. 37, oberhalb des Untersees und Rheins und damit gegenüber der Schweiz), den ein netter Senior aus Ostpreussen auf- bzw. ausgebaut hat. Bodenseefelchen und Gutedel vom Seehang haben uns bestens gemundet. 

Der Wanderbischof Pirmin hat 724 unserer Zeitrechnung die damals noch völlig unwirtliche Insel entdeckt und mit seinen Klosterbrüdern kultiviert. So dass bald zurecht von der "reichen Au" gesprochen werden konnte. Das Benediktiner-Kloster als "unmittelbares Reichskloster" erlebte über drei Jahrhunderte (8. bis 11.) eine außergewöhnliche Blütezeit. Noch heute zeugen die prächtigen drei Kirchen von dieser "Wiege abendländischer Kultur". Heute gibt es aber kein Kloster mehr auf der Reichenau, aber die drei schönen Kirchen sind gut renoviert und sind Beweis für die tüchtigen Ordensbrüder. 

Die drei romanischen Kirchen sind: St. Georg in Oberzell aus dem ausgehenden 9. Jahrhundert mit späteren gotischen Ergänzungen, berühmt durch die Wandmalereien aus dem 10. Jahrhundert, St. Peter und Paul in Niederzell mit den beiden Türmen, im 11. und 12. Jahrhundert erbaut. Ihr Ursprung geht jedoch in das 8. Jahrhundert zurück, herrliches Wandbild in der Apsis, sowie das Münster St. Maria und Markus in Mittelzell, eine dreischiffige Basilika mit gewaltigem Dachstuhl (wie ein umgekehrtes Schiff), deren ältester Teil 816 geweiht wurde. Das Innere aller drei Bauten beeindruckte uns am meisten. 

Im Gegensatz zur Touristenschwemme von Frühjahr bis Spätherbst konnten wir bis in den Nachmittag hinein die fast leere Reichenau ungestört geniessen. 

Wer mehr erfahren will, schaue sich im Internet an:
http://www.reichenau.de


Orgel von 1783 in Peter und Paul

Pieta in Peter und Paul
 
Im Münster St. Maria und Markus
li. Klostergründer Pirmin - re. Pieta von 1350


Tafelbild von 1783 im Münster

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am Sonntag, den 7. Januar 2001, geändert am 05.08.01 20:59
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