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Letzte Änderung: 06.09.01 |
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Senioren reisen: |
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Ein Abstecher zu den heißen Quellen ins böhmische Bäderdreieck | ||
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Ein Bericht von Theo
J.M. Zimmer,
Unterthingau |
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| Wo Goethe kurte... und amourte... | |||
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Wo Goethe kurte... gönnte sich der Berichterstatter mit Familie ein paar abwechslungsreiche
Vorfrühlingstage, um in der Natur neue Kräfte aufzutanken und um sich
den regenerierenden Heilkräften Jahrtausende alter heißer Quellen
anzuvertrauen. Fast strahlt es schon wieder in seinem alten Vorkriegsglanz, das Trio der
über den Globus bekannten Kurorte im westböhmischen Bäderdreieck: das
glamouröse Marienbad, das beinahe mondäne Karlsbad und das verträumte
Franzesbad. Geographisch im Zentrum des neuen Europas gelegen, an drei
benachbarten Orten, wo man sich ehedem ein rendez-vous im Bade gab!
Einem Ondit zufolge soll Goethe 1114 Tage (und manche
amouröse Nacht), das sind immerhin mehr als drei volle Jahre in dieser
historischen Landschaft verbracht haben. Seine dortigen Erlebnisse haben
sich vielfältig in seinem literarischen Schaffen niedergeschlagen. Die begrenzte Dauer der
”Schnupperreise” ließ es nicht zu, jeder Goethe- Gedenkstätte einen Besuch abzustatten, so daß
sich das Interesse der Teilnehmer auf drei Stätten der Heilkraft
konzentrierte: Marienbad, mitten im
Kaiserwald gelegen, einst fest in der Hand des nahegelegenen Prämonstratenserklosters Tepl, wurde nach langen Bemühungen
der Äbte und des Klosterarztes Johann-Joseph Nehr, gegründet und Anfang des 19. Jahrhunderts als Kurort anerkannt. Etwa 15
000 Einwohner zählt Marienbad. Das Hauptaugenmerk zieht der Kurpark mit
einem Kreuzbrunnen auf sich. Die Rudolph-Ferdinand-Quelle ist die bedeutendste
der 40 Heilquellen in diesem schmucken Badeort. Vis-a-vis vom Kurhaus,
auf einem Hügel, dominiert die Mariä-Himmelfahrtskirche das
Kurviertel. Ein Fototermin vor der malerischen Kulisse ist angesagt. Die weitere Fahrt im
komfortablen Reisebus führte unmittelbar nach Karlsbad, das nach einer Legende von Kaiser Karl
IV.
im 14. Jahrhundert gegründet wurde. Besagtes Karlovy Vary
trägt des Kaisers Namen und war um die vorvergangene Jahrhundertwende
Treffpunkt des europäischen Hochadels. Eingerahmt von bewaldeten Berghügeln
erstreckt sich der Talkessel der Tepla bis in die Kurzone, wo ”Feuer und Wasser sich
mengt”. Fast kochendes Wasser schießt aus dem Erdinnern als 10 m hohe
Fontäne ins Freie. Einen Besuch wert, mindestens zur happy-hour, ist
das Grandhotel Pupp, das bis in die Gegenwart nichts von seinem
aristokratischen Flair eingebüßt hat, nur daß die Gäste heutzutage
meist dem alten und neuen Geldadel zuzurechnen sind. Der bekannte Wiener
Radiästhesist Klaus Brudny
vermittelte der Reisegruppe vor Ort Einblicke in die Geomantie und erläuterte
energetische Zusammenhänge. Eine Besonderheit in Böhmen ist der
begehrte Schmuck- und Heilstein Modavit, der vor rund 15 Millionen Jahren beim Einschlag
eines Meteoriten ins heutige Nördlinger Ries entstand. Hoher Druck und
extreme Temperatur schleuderten das Gestein anschließend bis ins
heutige Böhmen. Ein Abstecher zur böhmischen
Königsburg Loket (zu Deutsch: Ellbogen) ist ein Muß.
Dieses mächtige Bauwerk wurde im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts -
unter der Regentschaft von Vladislav II. – als Trutzburg zum Schutz der Grenze errichtet. Zu
ihrer Zeit wurde sie als der Schlüssel zum Königreich Böhmen
angesehen. Von den ursprünglichen, romanischen Bauten sind die
wertvolle Rotunde und der Turm erhalten geblieben. Häufiger Gast war
hier der böhmische König und römische Kaiser Karl IV. Ihn müssen
Erinnerungen aus seiner Kindheit immer wieder dorthin zurückgezogen
haben: hatte ihn doch sein Vater – nach Zerwürfnissen mit seiner
Mutter – im Kindesalter dort einkerkern lassen. Die gegenwärtige
Gestalt erhielt die Burg unter der Herrschaft Wenzeslas IV, Ende des 16 Jahrhunderts ging die Burg in
den Besitz der Stadt Loket über. Die Rückfahrt brachte
eine Stippvisite in Franzesbad,
der ”kleinen Stadt mit dem großen Bad”. Einst in unwegsamem Moor
gelegen. ist dieser Ort seit 1793 Kurbad. Die Namengebung geht auf
Kaiser Franz II. zurück.
Der beliebte Säuerling Europas quillt aus 24 Quellen. Das durch die Ermordung
Wallensteins (1634) bekannte Eger, einst eine wichtige
Handelsstadt ist es bis heute geblieben: schießen doch die Vietnamesenmärkte
dort wie Pilze aus dem Waldboden. Nirgendwo in der Umgebung werden
Porzellan, Schnaps ”Becherovka”, Zigaretten und billige
Asien-Klamotten in solchen Unmengen verramscht, wie in diesem grenznahen
Ort. Weiter schaukelte uns
der Reisebus – mit einem echten Pfarrer als Fahrer hinter dem Lenkrad
– zur Stiftsbasilika Waldsassen.
In Filzpantoffeln schlürften die Besucher durch die Stiftsbibliothek
des Zisterzienserklosters, eine der frühesten Niederlassungen dieses
Ordens in Deutschland. – Heute sind andere Zeiten. Der
Berichterstatter ist verblüfft, als sich plötzlich, wie von
Geisterhand geführt, das stählerne Klostertor vor seinen Augen öffnet,
Der Pater Prior hatte es vom Sitz seiner Luxuslimousine aus per
Funksteuerung aufgehen lassen. Ein paar Tips für
Reisewillige: beim Kauf von Lebensmitteln (z.B. Oblaten) immer auf das aufgedruckte Verfalldatum schauen. Preiswert zu erwerben
ist Schmuck, etwa aus Bernstein oder Tigerauge, aber auch Fayencen und
Glasartikel. Sich möglichst nicht in Läden, sondern gleich auf der
Fabrik eindecken. Die berühmteste Porzellanfabrik der Welt Moser - alle
Erzeugnisse nur mit echtem Blattgold – ist in Karlsbad beheimatet. Wer mit dem Pkw anreist,
dem sei das Hotelrestaurant des Klosters Tepla wärmstens empfohlen. Die
Preise für eine Übernachtung mit Frühstück (ab etwa 25,– DM) oder
eine warme Mahlzeit (zwischen
5,00 und 10,00 DM)
sind halb so hoch wie in den Badeorten; Komfort und der Service sind
aber fast doppelt so gut. Eine weitere
empfehlenswerte Herberge in Karlsbad ist das Fast ein Geheimtip ist
in Cheb (Eger) das Restaurant ”U Cechu” ”Zunftstuben”. Das Haus
bietet täglich von 10.00 bis 20.00 Uhr böhmische und internationale Küche
zu seniorgerechten Preisen. Die neue (alte) Gaststätte liegt rund 100 m
vom Marktplatz entfernt, Richtung Eger in der Kamenna (Telefon: 00420
166 42 26 61). Gültiger
Personalausweis oder Reisepaß sind unabdingbar. Eins erscheint wichtig
bei Reisen in die früheren Ostblockstaaten: großkotziges Auftreten,
insbesondere von Besuchern aus dem Westen, wird ungern gesehen. Statt
dessen sollte der Gast selbstbewußt seine Wünsche anmelden, seine
Rechte genau kennen, und auch zielstrebig wahmehmen. Der Geschäftssinn
ist in Tschechien sehr ausgeprägt. Diese Reise wird in mehr
oder weniger abgewandelter Form immer wieder in größeren Zeitabständen
durchgeführt. Veranstalter:
Evangelische
Stadtakademie |
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| Copyright by Theo
J.M. Zimmer vom SeniorNet im Bürgernetz Allgäu e.V. am Mittwoch, den 7. Juni 2000 |
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